
Mit der mythologischen Figur des Zyklopen verweisen wir auf das monströse Potenzial der Kamera selbst. Ausgehend von Vilém Flussers Verständnis der Kamera als eines Apparats, der seine Benutzer:innen zu überwältigen sucht, wird der Zyklop zu einer kraftvollen Metapher. Er steht für eine riesige Macht, der man sich stellen und mit der man verhandeln muss. Wenn der Zyklop für die Kamera und darüber hinaus für die Fotografie insgesamt steht, dann müssen wir als Betrachter:innen, Fotograf:innen, Verleger:innen und Galerist:innen so zusammenarbeiten wie die Gefährten von Homers Odysseus, die sich zusammenschließen, um dem Zyklopen Polyphem zu begegnen und ihn zu bezwingen.
Unsere Mission
CYCLOPS möchte Räume schaffen, in denen über den inneren Wert des Menschlichen nachgedacht werden kann, und zugleich die Bewegung und das Wachstum künstlerischer Neugier zwischen Individuen und Communities mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln fördern. Mit einem nomadischen Ausstellungsmodell verbinden wir Künstler:innen, Publikum und Orte in verschiedenen lokalen Kontexten.
Fotografische Bilder tragen immer eine Geschichte in sich. Es ist die Geschichte dessen, was sich vor der Linse entfaltet – und die Geschichte dessen, was hinter ihr geschieht. Wir verstehen Fotografie als eine menschliche Praxis, getragen vom Wunsch zu dokumentieren, auszudrücken und zu gestalten. CYCLOPS möchte die Perspektiven und Erzählungen zeitgenössischer Fotograf:innen durch Ausstellungen und öffentliche Programme sichtbar machen und so zum Aufbau einer lebendigen Community beitragen.
Die Geschichte hat die tiefgreifende Ambivalenz fotografischer Bilder immer wieder gezeigt – eine Ambivalenz, die sich mit dem Aufstieg von KI weiter zuspitzt. Bilder können sowohl Beweis als auch Täuschung sein. Wir verstehen Fotografie daher nicht nur als Medium, sondern als kulturelle Praxis, die in sozialem Austausch, kritischer Auseinandersetzung und gemeinsamer Bedeutungsproduktion verankert ist.
CYCLOPS richtet sich an ein Publikum, das offen ist für neue Perspektiven und Geschichten. Indem wir objektivbasierte, emulsionsbasierte und archivbasierte Zugänge zur Fotografie zusammenbringen, eröffnen wir einen Raum für die Begegnung mit starken fotografischen Positionen sowie mit den Menschen und Geschichten hinter den Bildern.